NeuesNeues Wie wäre es heute mal mit etwas Lyrik? Nadia und Fabian über den 2. Workshop mit Björn Kuhligk
Wie wäre es heute mal mit etwas Lyrik? Nadia und Fabian über den 2. Workshop mit Björn Kuhligk
Mit etwas Verspätung beginnt um kurz vor zwölf der zweite
Workshop mit Björn Kuhligk, dieses Mal mit Schülerinnen und Schülern eines 11. Jahrgangs des Gymnasiums Obervieland. Nachdem der Autor sich mit den Worten „Mein Name ist Björn“ vorstellt, ist der Knoten
geplatzt, und er erklärt den interessierten Schülern und Schülerinnen einige
grundlegende Aspekte über Lyrik.
Dabei orientiert sich der Autor an einem 7-Punkte Schema,
das seiner Ansicht nach für jedes Gedicht essenziell ist:
Am Anfang jeden
Gedichtes steht, so Björn, die Idee.
Bei dieser kommt es vor allem auf Authentizität
an, sie muss die Sicht des individuellen Schreibers deutlich machen. Wichtig ist
aber auch, dass ein Gedicht etwas Liedhaftes
versprüht. Auch die meisten Songtexte sind nichts als vertonte Gedichte. Und
was wäre ein Gedicht ohne Emotionen?
Gedichte sind expressiv. Jeder Lyriker sollte sich, nach Björn, zur Aufgabe
machen, Gefühle zu vermitteln. Hierbei wiederum ist es wichtig, die bereits
genannten Aspekte einer Form anzupassen.
Dem Verfasser bzw. der Verfasserin ist dabei selbst überlassen, welche
Formkriterien er oder auch sie auf das entstehende Gedicht anwenden möchte, sei
es nun ein Schreibstil z.B. ohne Adjektive oder wie bei Björn durch wenig
Interpunktion. Als Vorletztes nennt Björn ein ganz bedeutendes Kriterium für
ein Gedicht: das Rätsel. Ein Gedicht
darf Rätsel enthalten, es muss nicht immer gleich und für alle verständlich
sein. Letzter Punkt: das Spiel, das
ein Gedicht mit Komik und Humor versieht. Björn nennt hier als Beispiele Bildpoesie
oder Lautgedichte, wie Ernst Jandl sie geschrieben hat. (…ottos mops kommt, ottos
mops kotzt, otto: ogottogott.)
Nach dieser Einführung liest Björn noch drei eigene Gedichte
vor, bevor die Arbeitsphase beginnt. Die Gedichte schildern unter anderem die
Ereignisse inmitten eines Innenhofes oder erzählen z.B. davon, wie Björn und
ein Freund einen Fremden beim Injizieren von Drogen beobachten.
Anschließend erteilt Björn den Schülern und Schülerinnen
drei Arbeitsaufträge, aus welchen diese frei wählen können. Zur Auswahl stehen
dabei: ein Gedicht aus den Überschriften eines Berliner Boulevards Magazins zu
verfassen, ein Liebesgedicht aus der Perspektive einer gerade verlassenen
Person zu schreiben oder einen lyrischen Text aus der Sichtweise eines im
Krankenhaus liegenden sterbenden Menschen zu entwickeln. Dabei können die
Schüler, welche sich für den letzteren Arbeitsauftrag entschieden haben, in ein
direktes kurzes Brainstorming mit Björn gehen, um erste Assoziationen zu
sammeln. Während der sehr intensiven Schreibphase wird konzentriert gearbeitet,
was sich im Anschluss an gelungenen Texten zeigt. So ist es besonders bei den
Gedichten, die auf Zeitungsberichten beruhen, überraschend, wie ihre quasi aus
Mosaiken bestehenden Teile zu einem überwiegend zusammengehörenden Inhalt
führen. Dass man auch in kurzer Zeit qualitativ beachtenswerte Texte verfassen
kann, zeigt ein Schüler mit einem gereimten, in seinem Rhythmus an Rap angelehnten
Liebesgedicht, welches mit den Worten endet: „Im nächsten Leben werde ich als
Vogel geboren/ Das habe ich mir geschworen“, was durch einen starken Beifall honoriert
wird. Insgesamt sind die Liebesgedichte sehr unterschiedlich ausgefallen. So
scheint für den einen der letzte Ausweg bei Liebeskummer der Suizid zu sein,
während wiederum andere, das lyrische Ich, welches für die Trennung
verantwortlich ist, sterben lassen. Das Gutes nicht unbedingt lang sein muss,
zeigen die Gedichte zur dritten Aufgabe, auch, dass man beim Thema Tod mal in
Ironie verfallen darf, wird an einem Gedicht gut demonstriert, in dem das
lyrische Ich ganz verzaubert ist von den hübschen Krankenschwestern, was wohl auf
die „Cocktails“ in seinem Blut zurückzuführen ist. Seine letzten Worte: „Mir
geht es gut. Nein, wunderbar/ Aber das Ende ist schon nah“.
Mit diesen Worten schließt auch der Workshop, in dem die
Schüler und Schülerinnen aus den gemeinschaftlichen Korrekturen und Hinweisen
von Björn eine Menge an Anmerkungen und Schreibtipps mitnehmen, die sie
hoffentlich in ihre nächsten Gedichte einbringen können.
(Nadia, Fabian)
Unten alle Fotos von den beiden Workshops. Beim zweiten Workshop mit im Bild: Frau Beyer, freie Mitarbeiterin bei Radio Bremen, die während der Veranstaltung Tonaufnahmen für ein Feature über das Festival gemacht hat.