| Björn Kuhligk, "Von der Oberfläche der Erde", vorgestellt von Jan |
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Literatur in Gedichtform.
Poetik.
Wenige Zeilen, die oft mehr aussagen und zum Denken anregen,
als ein noch so langer Roman.
Björn Kuhligk hat ein ganzes Buch mit ihnen gefüllt und das
– alle, denen Struktur- und Formanalysen von Goethe-Gedichten im
Deutsch-Unterricht schon zu schaffen machen, seien gewarnt - ohne einen
einzigen Reim! Auch die kontinuierliche Verwendung von Satzzeichen scheint der
rücksichtslose Poet kategorisch abzulehnen. Was dabei heraus kommt ist aber
keineswegs ein undurchschaubares Kuddelmuddel, im Gegenteil, seine äußerst
zeitgenössische,
teils jugendliche, teils technologische Wortwahl führt dem Leser auf beeindruckende Art und Weise den Alltag unserer Zivilisation vor Augen. Unser Leben zwischen Tankstellen und Supermärkten, Kernkraftwerken und Schwertransportern, Taschenrechnern und Bewegungsmeldern, Müllmännern und U-Bahnstationen wird mit Liebe zum Detail und unter Hervorhebung abstruser Alltagsbanalitäten aus einer Perspektive betrachtet, die „der Frau, die ihre Katze auf dem Kopf trägt“ oder „der von Witterung zerfransten Straße“, genauso wie den Zwergen die „in demokratischer Zufriedenheit den Rasen sichern“ eine völlig neue Bedeutung verleiht. Bei der Frage WIE und in welchem Stil der Autor die entsprechenden Themen aufs Papier bringt, sei auf den sogenannten Kuhligk-Sound verwiesen. Dieser authentische Stil schafft es, dass klangschöne Gedichte mit bildreicher Sprache durchaus gesellschaftskritisch-angehauchte Alltagsbeschreibungen vermitteln, die Interesse wecken. Der Leser wird zum Denken und Assoziieren angeregt, wird provoziert und überrascht und hat unglaublich Spaß daran, die eigene Umgebung mal in anderem Licht zu sehen. Hier zwei Gedichte aus Kuhligks lyrischem Werk „Von der Oberfläche der Erde“, dessen Name bereits einiges über Inhalt und Stil des Autors aussagt... SNAPSHOT
Wir standen auf einem Jaguar
wir waren Haß und Gustaf
der bis ins Rückenmark verkifft
überall stapelte sich Schnee, es war
kein Winter, die Zusammenhänge waren allein
eine Bügelfalte der Himmel, umgrantelt
von Laubbäumen, wir versuchten
die Figur mit den Stiefeln wegzutreten
das Grundwasser schaukelte
DER SCHÖNE 38. SEPTEMBER
In dieser Starkstromnacht, in dieser (Björn Kuhligk, Von der Oberfläche der Erde, Berlin Verlag 2009, 72 S., 16 €)
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