|
Björn
Kuhligk
Im Rahmen des Internationalen Bremer
Literaturfestivals „Poetry on the road“ findet wieder ein Literaturworkshop mit
Oberstufenklassen im Wallsaal der Zentralbibliothek statt. Dieses Mal wird ein
bemerkenswerter Lyriker die Veranstaltung leiten.
Der 35-Jährige Björn Kuhligk
brachte 2009 im Berlin Verlag seinen neuesten Gedichtband „Von der Oberfläche
der Erde“ heraus. Dies ist mittlerweile sein fünfter Lyrikband.
Geboren in Berlin, veranstaltete
der junge Autor, neben seiner Arbeit als Buchhändler, Mitte der neunziger Jahre
eine Lesereihe mit dem Titel „Die Schwarzleserey“. Des Weiteren verlegte er mit
Tom Schulz die „edition minotaurus“, und außerdem arbeitete er als Redakteur
der Berliner Zeitung für Prosa und Lyrik „lauter niemand“.
|
|
Weiter …
|
|
|
Ein Mann, viele Preise, und das in jungen Jahren. Björn Kuhligk
erregt in der Welt der Literatur schon seit längerem Aufmerksamkeit und somit
auch bei uns. Wir haben den Dichter, Autor und Buchhändler noch mal genauer
befragt, zu der Liebe zur Literatur, seinem Stil, Intentionen, Arbeitsweisen
und vor allem seinem baldigen Auftritt beim internationalen Literaturfestival
„poetry on the road“. Björn Kuhligk, ein Lyriker der ganz besonderen Sorte, im
Gespräch:
Herr Kuhligk,
im Hinblick auf Ihre Biografie ist auffällig, dass sie schon sehr früh mit
Preisen ausgezeichnet wurden. Wann hat Ihre Liebe zur Literatur begonnen, und
haben Sie gleich angefangen, sich mit lyrischen Texten auseinanderzusetzen?
Ich habe so im Alter von 15 oder 16 das erste Mal Gedichte
geschrieben, wie es wahrscheinlich jeder zweite oder dritte Jugendliche tut. So
richtig los ging es dann mit 19/ 20, als ich Zivildienst gemacht habe. Damals
war ich in einer bestimmten Situation: Ich war nach Hamburg gegangen, kannte
dort niemanden, war plötzlich mit dem Krankenhausalltag beschäftigt, mit
sterbenden oder einfach hilflosen Menschen und habe dadurch eines Abends
angefangen, ein Gedicht darüber zu schreiben, wie es mir gerade geht. Das war
der Anfang.
|
|
Weiter …
|
|
|
…und der mit 6000 Euro dotierte Förderpreis des Bremer Literaturpreises 2010 geht
an:
Roman Graf, für sein im Limmat Verlag
erschienenes Romandebüt »Herr Blanc«!
Dafür erstmal einen herzlichen Glückwunsch von uns, doch nun
zu seiner Person selbst:
Roman Graf wurde 1978 in Winterthur, in der Schweiz geboren.
Nach seiner abgeschlossenen Lehre als Forstwart, führte er einige Jahre
journalistische Tätigkeiten durch, wie z.B. als Redakteur bei einer
Wochenzeitung mit Hintergrundthemen oder als freier Journalist (u.a beim
Magazin des Tagesanzeigers). An der Schule für angewandte Linguistik (SAL) in
Zürich studierte er Medien/ Publizistik und diplomierte am Deutschen
Literaturinstitut in Leipzig. Längere Aufenthalte verbrachte er in Grenoble, Breslau und Krakau.
Foto: Stefan Kubli
|
|
Weiter …
|
|
|
Herr Graf, Sie wurden vergangenen
Montag mit dem Bremer Förderpreis zum Literaturpreis ausgezeichnet. Haben Sie
einen so großen Erfolg Ihres Debütromans Herr
Blanc erwartet?
Nein, überhaupt
nicht. Also, ich wusste, dass ich nominiert war, aber ich habe es überhaupt
nicht erwartet.
Und wie war die Reaktion in Ihrem
Umfeld auf diesen Erfolg?
Ja, die haben
sich alle gefreut. Ich mich natürlich auch. Es ist immer so eine Sache mit
diesen Preisen, da ist sicherlich auch immer Glück dabei. Man weiß glücklicher
Weise nicht, wie diese Entscheidungen zustande kommen. Man kriegt nur plötzlich
einen, und dann hat man ihn. Das ist schön. Es ist, als würde man im Lotto
gewinnen. Wenn man gewinnen will, kriegt man es natürlich nicht. Dann kriegt
man doch etwas und ist erst mal erstaunt.
Am Tag danach weiß man dann, dass es wirklich so ist. Eine Woche darauf
hat man sich dann fast schon daran gewöhnt (Graf lacht) und weiß, dass man nun
Millionär ist.
Sie haben während der Workshops
gesagt, dass es wichtig sei, Kritik anzunehmen. Hatten Sie Personen in Ihrem
Umfeld, die Sie beim Schreiben Ihres Romans beraten haben?
Ja, ich habe ja
am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert. Nach dem ich den Roman
fertig geschrieben hatte, habe ich mich an einige Freunde gewandt, die ich noch
vom Literaturinstitut kannte. Bei denen wusste ich auch, dass sie gut sind und
ich mich auf ihre Kritik verlassen kann, weshalb ich ihnen den Roman gegeben
habe.
|
|
Weiter …
|
|
|
Dass sich hinter dem Titel „Expedition ins
Accountleichenland“ nur eine mehr als interessante Autorin verbergen kann,
steht wohl außer Frage. In diesem Fall handelt es sich um die Preisträgerin der
vom Virtuellen Bremer Literaturhaus ausgeschriebenen„Bremer Netzresidenz 2009“:
Susanne Berkenheger. Geboren wurde die als Journalistin und Autorin tätige Netzkünstlerin
1963 in Stuttgart.
|
|
Weiter …
|
|
|
Frau Berkenheger, Sie
haben schon für die Faz und die Süddeutsche Zeitung geschrieben. Wie sind Sie
dann auf die Idee gekommen, Literatur mit Computer bzw. dem Internet zu
verbinden?
Das ist eigentlich schon eine ganz alte Geschichte. 1997 war
das, ( Berkenheger lacht) , da habe ich noch für die Süddeutsche gearbeitet und
hatte die tolle Aufgabe, zwei Zeitungsseiten zu füllen, mit Themen, die es im
Internet gab, zu Dachau, also eine Art Lokalseite sollte ich füllen. Damals war
das Internet noch total langsam und kostete enorm, da man das damals ja noch
nach Minuten abrechnete. Und diese Recherche, um diese zwei Seiten zu füllen,
war so enervierend und frustrierend, so dass dann die Idee kam, dass man so
„Personen“ hat, die einen praktisch von Seite zu Seite führen, während man
durchs Internet surft. Letztendlich sah das, was ich dann gemacht habe, ganz
anders aus, aber das war so diese Grundidee.
Und sehen Sie das
Internet mittlerweile als Zukunft der Literatur oder eher als eine neue Facette
an?
Es ist noch gar nicht raus, ob sich die Literatur im
Internet so richtig etablieren wird.
Also, ich glaube das nicht. Man muss natürlich auch sehen,
wie sich das Internet noch weiter entwickeln wird.
|
|
Weiter …
|
|
|
1963 geboren und groß geworden ist sie in Stuttgart, leben
tut sie nun in Berlin. Nach einem Literaturstudium arbeitete Susanne
Berkenheger als Autorin und Journalistin für Zeitungen wie die Süddeutsche
Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Sie bezeichnet sich selbst als „Chatttheaterspielerin“,
„Netzkünstelerin“ und „Digitale Territoriumspflegerin“ und das zu Recht. Denn
seit 1997 beschäftigt sich Berkenheger mit dem Internet bzw. seinen literarischen
Konsequenzen. Sie wurde bekannt mit Browser-basierten Werken, mit denen sie
versucht, die Möglichkeiten von Computerprogrammierung mit denen der Literatur
zu verbinden. Soll heißen: Nicht nur der Leser agiert sondern auch das Werk
selbst. Klingt komisch, ist es auch.
|
|
Weiter …
|
|
|
„Selam Berlin“ zu Deutsch „Willkommen
Berlin“ heißt der 2003 im Diogenes
Verlag erschienene und mit dem Deutschen Bücherpreis ausgezeichnete
Debütroman der 1965 in der Osttürkei geborenen
Yadé Kara. Er wird als
temporeiches Drehbuch in einer Stadt, „welche permanent im Umbruch ist“
charakterisiert- und genau diese Beschreibung passt auch auf die Autorin, welche für die hochgelobte
Wendegeschichte rund um den 19-jährigen Deutsch-Türken Hasan verantwortlich
ist. So zog die dreisprachig aufgewachsene Kara mit fünf Jahren nach Berlin, wo sie auch
ihr Abitur machte, und studierte anschließend Anglistik, englische Literatur
und Germanistik. Zudem war sie einige Zeit am Berliner Schiller-Theater tätig bevor sie unter anderem in London, Istanbul
und Hongkong als Schauspielerin, Lehrerin, Managerin und noch dazu als Journalistin arbeitete.
|
|
Weiter …
|
|
|
Frau Kara, bei Ihrer
Lesung wurde erwähnt, dass Sie auch Schauspielerin waren. Während des
Workshops, als die Texte der Schüler besprochen wurden, haben Sie gesagt, eine
der Geschichten sei wie ein Drehbuch geschrieben. Wenn Sie selbst schreiben,
haben Sie auch eine Art Drehbuch im Kopf? Beziehen Sie Ihre Erfahrungen als
Schauspielerin in das Schreiben mit ein?
Wenn man schauspielert, dann steht man ja vor der Kamera.
Das Drehbuch schreiben eigentlich andere, andere haben das Drehbuch im Kopf.
Man agiert als Schauspieler. Wenn ich schreibe, dann ist es so, dass ich mit
dem Ohr schreibe. Ich höre die Figuren reden. Ich denke nicht in Szenen. Zum
Beispiel in der erste Szene, da kommt jetzt das und dann in der zweiten Szene
passiert dies. Bei mir ist das eher spontan. Ich schreibe ziemlich
durcheinander, nicht der Reihenfolge nach, Kapitel eins, zwei und drei, sondern
zunächst durcheinander, und wenn ich dann viel Text habe, dann fange ich an zu
ordnen: Was passt wohin? Ich denke folglich mehr figurenorientiert, als in
Sequenzen oder Drehbuchform, wenn ich schreibe.
Sie sind dreisprachig
aufgewachsen. Denken und träumen Sie in allen drei Sprachen gleichermaßen? Oder
überwiegt eine Sprache?
Das ist sehr personenabhängig. Es kommt darauf an, von wem
ich träume und mit wem ich welche Sprache spreche. Wenn ich von meinen
Schulfreunden träume, dann natürlich meistens auf Deutsch. Wenn ich von meinen
Großeltern träume, ist es auf Zaza. Wenn ich von meinen Freunden in London
träume, mit denen ich wirklich nur Englisch gesprochen habe, natürlich auf
Englisch. Also es ist wirklich personenbezogen. Ich würde nicht auf einmal mit einer Freundin aus London in
einem Traum Deutsch sprechen. Das geht ja nicht.
Würden Sie sagen,
dass Sie ein anderes Gespür für Sprachen bekommen haben, dadurch dass Sie mit
verschiedenen Sprachen aufgewachsen sind?
Später habe ich ja auch noch Englisch gelernt und dann
Französisch und in der neunten Klasse Latein. Ich kam zu einem Punkt, an dem
ich fünf Sprachen in meinem Alltag hatte. Natürlich hat das Lernen von Sprachen
auch viel damit zu tun wie, man veranlagt ist. Man entwickelt schon eine Art
Sprachempfinden oder zumindest ein Ohr für Akzente, für Betonungen und man hat ja
auch die Möglichkeiten, Sprachen zu vergleichen, wenn man polyglott ist. Aber
eine Sache, die vielen Kindern nicht von klein auf bewusst ist, war für mich
alltäglich: Und zwar, dass Menschen auf der Welt verschiedene Sprachen
sprechen. Ich kannte es schließlich nicht anders.
|
|
Weiter …
|
|
|