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Freie Texte
HIER IST PLATZ FÜR EIGENE TEXTE...
Im Grunde möchte er nichts anderes als unaufhörlich schreiben, ohne einmal aufzuatmen, den Worten so folgen, wie sie es zu wünschen scheinen und doch sie an den Zügeln zurückhalten, wenn sie losfahren.....(Elias Canetti:Aufzeichnungen 1992-1993)
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Wenn Menschen gehen (Nick Fleming)

 

Wenn du weinen willst und nicht weinen kannst,
wenn du sterben willst und nicht sterben kannst,
wenn du schreien willst und nicht schreien kannst,
weißt du, dass du immer noch schreiben kannst.
Ich schreibe alles auf, weil ich sonst nichts verarbeite,
denn dass Menschen sterben, hat sich wieder bewahrheitet.
Sie gehen von uns und kommen auch nicht wieder,
und das ist der Grund für diese traurigen Lieder
Wenn die Wolken da sind, ist der Schauer nicht weit,
doch wenn Menschen gehen, ist es Trauer, die bleibt,
was noch bleibt, ist der Schmuck, ein wenig Gold,
du schaust es lange an und schluchzt, bis die Träne rollt.
Es ist die Zeit nach dem Tod, die dich fertig macht,
du merkst, dass du ohne diese Menschen nur noch Leere hast.

 

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Ein Parkplatz ( Tamar Masury)
Ich habe eine Geschichte zu erzählen, es ist meine. Sie handelt von einem Mädchen und
dauert ein halbes, junges Leben.
Anfangs waren nur wir hier. Meine Familie und ich. Damals war ich so unglaublich klein
und eine Ewigkeit später erschienen mir die Dinge nicht mehr so groß wie damals.
Was sich meinem Blick erschloss, war ein Wald, der sich im Frühling grün und bunt
erstreckte und die Vögel, die ich über den Winter nie sah, zwitscherten wieder wie im
Vorjahr. Später dann wurden alle Äste dichter und der Wald immer saftiger und grüner.
Manchmal verirrten sich ein paar Mücken vom Uferrand zu mir und jagten sich gegenseitig
und flogen Kreise unter einem klaren Sommerhimmel.
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Sehnsucht ( Tamar Masury)
Sehnsucht

Ich schließe die Augen und greife danach

Strecke die Hände und will es ertasten

Will es berühren und erforschen.

Ich öffne die Lider und alles ist schwarz

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Sarah Tiemann, Leseprobe des dritten Kapitels ihres "Bremer Romans"

Leseprobe des dritten Kapitels

 

                                                                       [...]

Nun war ich ganz alleine zu Hause und ich versuchte mir einen geeigneten Tagesplan zu machen.

Als ich mein Brot aufgegessen hatte, schaute ich wie viele Vorräte wir noch hatten.

Für heute würde es auf jeden Fall noch reichen, vielleicht sogar bis morgen.

Aber ich musste ganz dringend Wasser holen gehen und das Haus noch einmal durchfegen.

Durch das ganze Ein- und Ausgehen war eine Menge Schmutz reingetragen worden.

Eigentlich scherte mich das nicht im geringsten, doch ich wusste dass meine Mutter viel Wert darauf legen würde.

Ich räumte erst den Esstisch auf und säuberte das Geschirr von den letzten Tagen, das sich schon angehäuft hatte.

Nun war wirklich das letzte Wasser aufgebraucht, dass auch nur irgendwie einigermaßen sauber war.

Ich holte mir vier Eimer und band diese an unserer Eselin fest.

Dann führte ich sie hinaus auf die Straße.

Heute war alles um einiges belebter und es gab viele Grüppchen, die am Rand standen und sich aufgeregt miteinander unterhielten.

[...]
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Die Weisin (Tamar M.)

Geboren und geschrien.

Nasse Tränen geweint.

Verängstigt gesehen.

Geblinzelt zuerst.

Gesehen und gefragt,

geflüstert fromm und schüchtern.

Gelernt und geglaubt,

gehofft ganz naiv.

Gewachsen und gespielt,

die Rolle des Weisen.

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Das wunderliche Weihnachtsfest

Sie schreit mich an. Wie immer. Sie steckt sich eine Zigarette in den Mund, zündet sie sich an, geht aus dem Zimmer. Sie ist den Tränen nahe. Wie immer. Schweigen. Stille um mich herum. Es ist eine bedrückende Atmosphäre.

Alles voller Lametta. Firlefanz in Gold, Silber, Rot und Blau. Überall Sterne. Weihnachtsschmuck. Jedes Haus ist geschmückt. Überall Lichter. Der Nachbar im Haus gegenüber zündet seine Kerzen am Tannenbaum an. Das erkenne ich von meinem Zimmer aus, weil er seine Gardinen nicht zugezogen hat. Dann packt er voller Spannung, voller Überraschung und voller Freude die Geschenke für seine Kinder unter den Baum. Es sind nur ein paar. Denn niemand hier in unserer Siedlung hat viel Geld übrig. Aber er lächelt. Sine Freude ist ihm förmlich ins Gesicht geschrieben. Neben ihm seine Frau. In einen braunen Pullover gekuschelt. Sie bewegt sich taktvoll, als würde sie zu einer Weihnachtsmusik tanzen. Vielleicht Mozart. Vielleicht Diana Krall. Ich kann es nicht hören, weil die Entfernung zu groß ist. Das deprimiert mich. Zu gerne wüsste ich, wie es ist. Ein richtig schöner Weihnachtsabend. Mit köstlichem Essen. Der tollen Atmosphäre mit Kuschelcharakter. Freude. Festliches. Die Familie. Vielleicht in Decken gekuschelt.

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Zeit (M.)

Was ist Zeit? Gibt es dieses Wort in dem Sinne überhaupt? Klar, die Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte, Jahrtausende…rasen an uns vorbei. Ungeheuer schnell. Eh man sich versieht, ist das Jahr vorbei, ein neues beginnt und endet schließlich auch. Was bleibt, ist der Moment. Ein Moment, in dem man sich vielleicht auf etwas freut, gespannt auf etwas wartet. Doch von diesen Momenten gibt es nur wenige. Es ist ein Ablauf. Die Zeit ist auf „Wiederholung“ gestellt. Manchmal habe ich das Gefühl, ich wäre kein Mensch, sondern eine Illusion, die durch das All schwirrt und immer in völlig unterschiedlichen Zeiten lebt. Manchmal denke ich, ich wäre unsichtbar.

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Eine verlorene Tugend (H.)

Eine verlorene Tugend

Stärke war ihre Tugend.

Doch er betrat die Ebene, gegen

die sie keine Stärke aufzubringen vermochte.

(H.)

 

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Warum ich dich vergaß...(H.)
Warum ich dich vergaß

Du fragtest, weshalb ich dich vergesse?

Ich sagte, weil ich sonst zu schmerzlich an dich erinnert würde.

(H.)

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