Laura Freudenthaler – Workshopergebnisse

Schreibaufgabe 1: Wähle fünf Wörter aus unserer Wörtersammlung, die wir aus der Erzählung „Zum Mond“ erstellt haben und schreibe einen maximal zehn Zeilen langen Text

Die Isolation, der die Astronauten im Himmel auf dem Weg zum Mond ausgeliefert sind, würden viele Menschen als unglaublich einsam bezeichnen.

Doch wie einsam kann man sein, wenn man von den Eindrücken, die in mehreren hunderttausenden von Kilometern entstehen, so sehr beeindruckt ist, dass man voll und ganz abgelenkt ist?

Wird einem fernab der Gewohnheit klar, dass man inmitten der gehetzten und frustrierten Gesellschaft nicht eigentlich viel weniger einsam ist?

(Lara Lenz)

 

Verwendete Wörter: Einsamkeit, Isolation, Mond, Stillstand, Innehalten, Himmel:

Wenn man in den klaren Nachthimmel schaut, um den Mond und die unendlich vielen Sterne in all ihrer Schönheit zu bewundern, ist es, als würde die ganze Welt für einen Moment stillstehen.

Als würde man innehalten, um sich vom Rest der Welt zu isolieren und einen Augenblick das Leben an sich vorbeiziehen lassen.

Wenn man seinen Blick in die unendlichen Weiten des Universums richtet, ist man so umgeben von der Stille, dass man selbst das Blut in seinen Adern pulsieren hören kann. Man überlässt all seine Probleme für einen Moment der Stille und beginnt die Einsamkeit zu genießen.

(Greta Lange)

Schreibaufgabe 2: Schreibe eine Geschichte auf, die in der letzten Woche nicht passiert ist

Lésprit de léscalier. Ein Begriff im Französischen, der das Gefühl beschreibt, das nach einer Konversation aufkommt, wenn man über all das nachdenkt, was man hätte sagen sollen.

Es gibt immer mal wieder Gespräche, nach denen ich so fühle.

Nach all den Unterhaltungen, bei denen mir genau das passiert.

Die, die ich immer und immer wieder in meinem Hirn abspiele.

Mich wieder frage, was wäre eigentlich wenn…

So wie letzte Woche.

Mir wurde gesagt „Ich bin für dich da“, so wie schon ein anderes Mal vor´nem Jahr oder überhaupt wenn es scheint, man sei verwundbar.

Aber mal ehrlich, ist das auch wahr?

Oder sind es in der Realität nur leere Worte, Floskeln, die nur aus Gewohnheit aus uns herausströmen, weil man das halt einfach so sagt…

Leere Worte.

Für einen Augenblick von wohligem und unerreichbarem Glück erfüllt und im nächsten Moment von einer unendlichen Kälte und Einsamkeit erstickt.

(Lara Lenz)

 

Verbindung zwischen Wirklichkeit und Einbildung

Klapper, Klapper, Klapper. Blumen und Kräuter in meiner Nase. Der Blick auf ein Glas, eine Fensterscheibe, welche mich von der Wirklichkeit trennt. Schützt sie mich oder hält sie mich nur vor etwas auf? Warmer geruchvoller Dampf steigt von einem frisch aufgebrühten Tee an mir auf und verschwindet in meinen Atemwegen. Das Geräusch des fahrenden Zuges unter mir, die Tasse in meiner Hand und vor mir dieses gewisse Glas, der Wirklichkeitstrenner. Meine Beine spüren den weichen Samtstoff, welcher sich über den Sessel unter mir schmiegt. Ich bin alleine in diesem Abteil, ich und meine Gedanken. Zeitreise, Weltreise und Umgebungsreise treffen hier auf mich ein und umgeben mich. Der Zug folgt seinen Gleisen, überquert Hürden und leichte Wege. Doch er folgt immer seinem Wegweiser, den Schienen. Vergleichbar mit dem Leben und dem Menschen. Von Zeit zu Zeit kommen immer mehr Fragen in mir auf. Ein und dasselbe Gefühl umgibt mich trotz dessen die ganze Zeit. Das einzige, was sich wirklich verändert, ist die Landschaft hinter dieser Scheibe, deren Charakter und Bestimmung für mich immer noch als Rätsel beigelegt ist. Grün und Braun. Ein Wald bildet sich vor meinen Augen und das Sonnenlicht entfernt sich von meinem Handrücken. Meine Gefühlslage nimmt sofort einen spürbaren Wechsel und ich fühle mich, auf einmal von der Fensterscheibe vor mir beschützt, wo sie mich doch noch vor wenigen Minuten aufhalten musste, so dass ich nicht in die grünen Wiesen springe. Das dunkle Szenario draußen ist nur eine Interpretation meinerseits, so wie Oma schon früher immer zu mir sagte, Einflüsse und Wirkungen auf und von Menschen seien von jedem zu jedem unterschiedlich. Die Zugfahrt von Klimazone zu Klimazone, von Ort zu Ort ist vielfältig. Gibt es Gefühle in der Natur? So wie bei uns Menschen? Sind Lebewesen, die einzigen Dinge auf der Welt, die Gefühle empfinden? Eine Blume geht auf, wenn sie die warme, helle Sonne auf sich spürt und ein Baum gedeiht, wenn sich die Erde fruchtbar erweist und die Sonne sich hilfreich bietet. Gelb, braun und rot als Farbe bilden sich als Landschaft vor meinen Augen und vor meinem Glas. Sie wirken warm und einladend, doch die Scheibe hält mich wieder auf. Meine Gedanken schweifen von dem Äußerlichen ab und wandern zu dem Gedanken, wie es wäre, jetzt an einem der vielen Meere unserer Erde entlang zu fahren und die blaue Farbe im Wasser zu sehen, welche sich von dem Reflektieren des Himmels ausbildet. Das Einschätzen von Farben, Umwelt und Person ist eine Kunst, die mir zugleich auch unheimlich vorkommt. Gegenstände im Leben haben immer eine bestimmte Aufgabe oder doch nur eine Eigenschaft, welche sie aufweisen, während sie rumstehen als ein Gebrauchsgegenstand. Und die Natur? Durch die Bewegung, mit der ich die Teetasse in meiner Hand abermals an meine Lippen führe und sie leicht kippe, merke ich, dass sie leer zu sein scheint. Und jetzt? frag ich mich. Was fühle ich? Ich fühle nur, dass ich ein weiteres Verlangen nach diesem Blumen- und Kräuter-Gebräu habe. Die Teetasse wiederrum ist außen weiß und hat einen goldenen Rand, sehr hübsch. Sogar das Äußere dieser Tasse, so wie das Wirken des Glases vor mir, bringt mich in andere Gefühlslagen. Gehen wir Menschen wirklich so durchs Leben, ohne nachzudenken und ohne diese ganzen Eindrücke und Wirkungen zu merken? Wie diese ganze Atmosphäre und das Leben auf mich wirkt. Wenn ich so nachdenke, geht es darum, dass diese ganze Natur schon vor uns da war, vor mir. Das heißt nicht, wir machen die Natur und den Planeten zu dem, was er ist, sondern diese eine Welt hat uns zu dem gemacht, was wir waren und was wir jetzt sind und mal sein werden. Die Veränderung im Leben scheint nur, so auch in meinem, dass ich alleine mich einfach in dem Zug gesetzt habe und etwas zu erleben, ein Abenteuer zu starten vor unseren Augen mit der Bedeutung, dass wir die Umgebung so gestalten wie sie uns gefällt. Doch in Wahrheit gestaltet sie uns so, wie sie uns braucht und haben will. Bei diesem Gedanken male ich mir in der roten Umgebung vor meinen Augen einen kleinen Tiger aus, der von der Natur geformt wird. Diese eine Zeitreise, die Prägung der Menschen, die Prägung von mir und meinem Gewissen, meiner Gedanken, Ängste und Freuden ist unbeschreiblich und nicht zu erklären. Mittlerweile wird mir langsam klar, wie meine Oma ihre erzählten Geschichten immer gemeint hat. Ich fange an, die Geschichten zu verstehen und in ihnen den einen roten Faden zu sehen, dem meine Oma immer gefolgt ist.

(Kathrin Lumper)