Laura Freudenthaler – Workshop

Geschichten, die nicht passiert sind – Workshop mit Laura Freudenthaler am 26.01.2018 im Wall-Saal der Zentralbibliothek

Die im Workshop entstandenen Texte sind hier nachzulesen

Workshop Freudenthaler_8Am Freitag den 26. Januar war Laura Freudenthaler, die Gewinnerin des Förderpreises Bremen 2018, der zusammen mit dem Bremer Literaturpreis verliehen wird, zu Gast im Wall-Saal der Zentralbibliothek, um die Tradition des alljährlich stattfindenden Workshops Literatur fortzuführen. Die interessierten Schülerinnen und Schülern einer 10. Klasse des Gymnasiums Ritterhude durften mit ihr ins Gespräch kommen, die Zugfahrt nach Bremen hatten sie daher gerne auf sich genommen.

Workshop Freudenthaler_1Nachdem Stephanie Schaefers (Projektleiterin Workshop Literatur Bremen) die Klasse kurz in das Projekt und das Verfahren des Workshops einführte, wurde es auch schon gleich praktisch. Laura Freudenthaler teilte das Kapitel mit dem Titel „Zum Mond“ aus dem Roman „Arme Närrchen“ von Andrea Winkler an die Schüler aus und bat sie, erst einmal alleine zu lesen. Danach las Laura Freudenthaler den Text mit vortragender Stimme laut vor, da man so nochmal einen anderen Eindruck vom Text bekäme.

Workshop Freudenthaler_3Es folgte ein gemeinsames Sammeln wichtiger und zentraler Wörter aus dem Text. So nannten die Schülerinnen und Schüler z.B. die Begriffe Mond, Astronaut, Einsamkeit, Straßenbahnhaltestelle, Wald, nicht, Gewohnheit, Isolation, Überdruss, welche Laura Freudenthaler auf einem Flipchart festhielt. Die erste kleine Schreibaufgabe drehte sich also nun um diese im Kollektiv gesammelten Wörter. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich fünf Wörter aussuchen und sich von ihnen dazu inspirieren lassen, einen Text zu verfassen, in dem eben diese Wörter vorkommen. Die drei Vorgaben waren: 1. spontan sein (da es eine Zeitvorgabe von 10-15 Minuten gab, war das nicht allzu schwer), 2. maximal zehn Zeilen als Fließtext, Gedicht oder Gedankenkette schreiben und 3. das Ergebnis muss nichts mit dem Original-Text „Zum Mond“ zu tun haben. Die Resultate waren, wie zu erwarten, sehr unterschiedlich und abwechslungsreich, da natürlich jeder etwas anderes in seine ausgewählten Wörter reininterpretiert, aber Laura Freudenthaler war von der vorgetragenen Auswahl der Texte sehr begeistert.

Workshop Freudenthaler_2Nach der ersten kreativen Arbeitsphase wurde das Interesse der Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse besonders an der Autorin selbst geweckt. So erfuhr man, dass Laura Freudenthaler quasi schon immer geschrieben hat, als Kind waren es vorwiegend Tagebücher. Eine sehr spannende Frage an einen Autor oder eine Autorin ist auch immer, woher die Ideen oder Motivationen für die Bücher kommen. Ob sie eigene Erfahrungen in ihre Bücher einfließen lässt, kam die Frage aus den Reihen. Bei Laura Freudenthaler sei es der Fall, dass sie auch viel von ihren Freunden mitbekomme, sodass dies auch zu ihren eigenen Erfahrungen werde und ihre Texte deswegen immer an Erfahrungen andocken würden. Großes Interesse weckte auch der Werdegang von der Hobbyschreiberin bis zur professionellen beim Verlag angestellten Autorin. Laura Freudenthaler beschrieb sehr gerne den Weg, den sie eingeschlagen hat, erwähnte aber auch, dass es schwierig werden könne, ohne persönliche Kontakte an einen Verlag zu kommen.

Workshop Freudenthaler_5Als Laura Freudenthaler nun zur zweiten Schreibaufgabe des Workshops überging, stellte sie sich und den Teilnehmern erst einmal die Frage, worum es in dem vorgelegten Text „Zum Mond“ überhaupt ginge. Ergebnis: Es geht um zwei Personen, die sich einmal in der Woche regelmäßig treffen, um sich zu erzählen, was in der Woche nicht passiert ist. Die beiden denken sich Geschichten aus, weil das interessanter ist, als das, was tatsächlich passiert ist. Sie denken sich eine Fantasie aus, um dem Alltag für die kurze Dauer dieser wöchentlichen Treffen zu entfliehen.

Auftrag an die Schülerinnen und Schüler war nun, eine Geschichte zu schreiben, die in der vergangenen Woche nicht passiert war. Auch hier waren die Ergebnisse sehr unterschiedlich. Eine Erzählung handelte zum Beispiel vom Wunschdenken einmal auf einer großen Bühne vor Publikum zu stehen. In einer anderen Geschichte wachte die Protagonistin auf einer grünen Wiese mitten im Wald auf und entdeckte eine Fee.

Laura Freudenthaler war begeistert über das Engagement der Schülerinnen und Schüler und freute sich schon auf die Veranstaltung am 30. Januar in der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen, wo sie der Klasse aus ihrem prämierten Buch „Die Königin schweigt“ vorlas.

(Eva Bargmann)

Workshop Freudenthaler_4Workshop Freudenthaler_7Workshop Freudenthaler_9Porträt_Freudenthaler (Fotos: Victor Ströver, nordsign, Bremen und Stephanie Schaefers)