Laura Freudenthaler – Interview

Interview_1Laura Freudenthaler, haben Sie ein bestimmtes Konzept beim Bücher schreiben, nach dem Sie vorgehen?

Ja, ich habe immer wieder ein Konzept und das werfe ich dann immer wieder um (lacht).Zunächst beginne ich zu schreiben und weiß noch nicht, wohin es geht. Doch an einem gewissen Punkt, mache ich mir ein Konzept und überlege mir, wie soll nun der Text strukturiert sein. Oft läuft ein Buchprojekt über mehrere Jahre, dementsprechend gibt es auch viele unterschiedliche Konzepte, die sich immer wieder aus dem Text ergeben. Ja, ich habe Konzepte, aber sie sind wohl dazu da, um davon abzuweichen.

Schreiben Sie an bestimmten Orten?

Ich schreibe prinzipiell am Schreibtisch. Ich habe ein spezielles Schreibzimmer, das nicht bei mir zu Hause ist, sondern zu dem ich extra hingehe. Ich habe das seit zwei Jahren und finde es ganz toll, weil ich dort einen besonderen Raum habe.

Interview_2Sie haben also auch feste Arbeitszeiten?

Das ist phasenweise so. In gewissen Phasen bin ich den ganzen Tag im Schreibzimmer, aber ich bin auch noch in anderen Arbeitsfeldern tätig, dementsprechend muss ich meine Tage strukturieren.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus? Sie erwähnten gerade andere Arbeitsfelder, wie vereinbaren Sie das ‚Kreativ-sein‘ mit den anderen Tätigkeiten?

Es gibt Phasen, in denen ich es so aufteilen muss, dass ich z.B. vormittags schreibe und nachmittags übersetze. Das ist manchmal schwierig, weil ich dann nicht einfach hin und her wechseln kann. Aber momentan schreibe ich nur.

Wie schreiben Sie Ihre Texte auf?

Ich schreibe meine Texte handschriftlich. Wenn ich eine Fassung habe, tippe ich diese in den Computer, das ist auch ein wichtiger Arbeitsschritt. Ich habe oft drei komplette Versionen, die ich mit der Hand durchschreibe.

Schreiben Sie auf leere Blätter oder in Bücher?

Ich beginne mit losen Blättern, dann habe ich überall Stapel von beschriebenen Seiten. Danach schreibe ich in ein Heft mit leeren Seiten. Später gibt es mehrere Hefte, mit den unterschiedlichen Versionen.

Haben Sie ein größeres Vorbild? Orientieren Sie sich an einem Autor und sagen, so möchte ich auch mal gerne schreiben?

Das ist schwierig, natürlich sage ich, ich möchte gerne so schreiben wie Kafka. Aber es wäre sinnlos, es kann so einen Autor nicht nochmal in der Welt geben. Autoren wie Kafka oder Bachmann sind für mich unerreichbar, aber vom Ansatz her möchte ich mich bemühen, so ehrlich und wahrhaftig mit dem Schreiben umzugehen, wie diese Personen das gemacht haben.

Aber Sie sind durch eigene Erfahrungen zu Ihren Texten gekommen?

Der Impuls zum Schreiben kommt immer aus einer eigenen Erfahrung. Die Art und Weise, daran zu arbeiten, ist beeinflusst durch Autoren, die man gut findet.

Wie lange haben Sie an Ihrem Debütroman „Die Königin schweigt“ geschrieben?

Ich habe die ersten Fassungen vor zehn Jahren geschrieben. Ausschließlich an dem Roman habe ich zwei bis drei Jahre gearbeitet, bevor dieser erschienen ist.

Haben Sie schon Ideen für ein neues Buch oder schreiben Sie schon an einem neuen Buch?

Ja, das tue ich. (lacht)

Haben Sie immer eine konkrete Idee für ein neues Buch oder ist es so, dass Sie viele Ideen haben?

Ja, es gibt ein paar Sachen, die ich immer im Kopf habe, zu denen ich etwas schreiben möchte, aber der Zeitpunkt ist noch nicht gekommen. Dann habe ich dringende Ideen im Kopf, zu denen ich dann sofort etwas schreiben muss. Oft muss ich erstmal selbst begreifen, warum ich über eine Idee etwas schreiben muss. Es vergeht immer Zeit, bis ich selbst beschreiben kann, warum mich ein Thema so interessiert und was ich daran verstehen möchte.

Sie erzählten im Workshop, dass Sie das Germanistikstudium nicht gut mit dem kreativen Schreiben von Literatur vereinen konnten. Haben Sie weitere Dinge, die Sie vom Schreiben, vom kreativen Umgang mit der Sprache abhalten?

Ja, es gibt sehr viele Dinge (lacht). Es sind sehr viele praktische Sachen des Alltags. Das Arbeiten, das Übersetzen ist nicht unbedingt gut für das Schreiben. Daher benötige ich auch Phasen, in denen ich ausschließlich schreibe, alles andere irritiert mich dann.

Gibt es auch Rituale, die Ihnen beim Schreiben helfen?

Mein Schreibzimmer. Dort gehe ich hin und mache nichts anderes als zu schreiben. Wenn ich dort bin, schalte ich das Telefon ab. Ich habe dort kein Internet. Dort bin ich allein in meiner Blase und mache nichts anderes als zu schreiben.

Hätten Sie je erwartet, dass Sie einen Preis für Ihr Buch erhalten?

Nein, das hätte ich nicht. Natürlich wünscht man sich, dass viele Leute das Buch lesen werden und es ihnen gefällt. Aber man darf nicht daran denken, während man ein Buch schreibt. Der Grund für das Schreiben muss ein anderer sein. Das Anliegen muss aus einem selber kommen. Dieses muss so dringlich sein, dass man es auch tun würde, wenn niemand es lesen würde.

Frau Freudenthaler, vielen Dank für dieses Gespräch.

(Das Interview führten Melissa Krämer und Tina Höppner am 26.012018, transkribiert von Stephanie Schaefers, Fotos von Stephanie Schaefers)