Workshopergebnisse aus dem Workshop mit Ulrike Almut Sandig am 09.07.2017

Aufgabe: Versetze Dich in das Jahr 2117 und schreibe einen Text darüber. Wenn Du den Text vorträgst, dauert der Vortrag ungefähr zwei Minuten.

Endlich! Ich hatte es geschafft. Ich spürte das Adrenalin durch meine Adern fließen. Mein Atem ging schwer, als ich aus dem rauchenden Apparat stieg, der mich hergebracht hatte. Als ich mich langsam umschaute, konnte ich mir das Lächeln nicht länger verkneifen. Nach all der Zeit, habe ich endlich die Stimmen verstummen lassen, die mir sagten, es sei unmöglich, ich würde es nie schaffen. Natürlich war mein Labor verschwunden. Wo die Computer standen, waren nun Wandschränke und Kommoden. Ein riesiges Bett füllte den restlichen Raum. Zum Glück war niemand im Haus. Mein Erscheinen hätte einiges an Aufsehen erregt. Nun konnte ich in Ruhe den Weg in die Außenwelt finden. Auf den Straßen drängten sich die Menschen. Doch von Autos und Bussen war nichts zu sehen. Das heißt, bis ich einen Blick nach oben riskierte. Die Autos schwebten mühelos über meinem Kopf und ich spürte die summende Energie überall in der Luft. Ein Schatten fiel auf die Stelle an der ich stand. Ein Zug fuhr, oder besser flog, über mich hinweg und versperrte den Blick auf die Sonne.

Als ich mich weiter umschaute lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich hatte gehofft, die Menschheit hätte sich nicht verändert in all der Zeit. Sie alle liefen mit steifen Bewegungen an mir vorbei. Keiner sah mich an, die Fremde in ihrer Mitte. Ihr Blick war kalt und glanzlos. Ihre Mienen glichen einer der anderen. Ein Mann stieß mich an. Unsere Schultern prallten aneinander. Ich taumelte zurück und sah ihm hinterher. Meine Hand berührte die Stelle, an der wir zusammengestoßen waren. Obwohl ich an einem heißen Julitag angekommen war, ging von dem Mann keine Wärme aus. Unter seinem Anzug befand sich nichts als harte Kälte.

Erst jetzt hörte ich auch das leise metallene Quietschen, das jeden Schritt der neuen Menschen begleitete.

(Lucie)