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Martin Glaz Serup Andreas Kjærgaard2

 

Workshop mit Martin Glaz Serup bei poetry on the road 2016

Freitag, 27. Mai 2016, 10.00 Uhr - 13.00 Uhr:

Workshop im Wall-Saal der Zentralbibliothek mit einem

Leistungskurs Deutsch des Kippenberg Gymnasiums

 (Die Teilnahme ist kostenlos, wie immer!)

weitere Informationen auch unter www.poetry-on-the-road.com

  (Foto: Andreas Kjaergaard)

 

 

 

Martin Glaz Serup Thomas Trane Petersen Det Kongelige Bibliotek

Der aus Kopenhagen stammende Poet (* 1978) hat sich in der Lyrikszene vor allem durch seine acht Gedichtbände etabliert, seine Gedichte wurden zuvor in zahlreichen Lyrikzeitschriften abgedruckt. Martin Glaz Serup gehört zu den ausgewiesenen Begabungen der jungen dänischen Dichterszene und wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet. Wie kaum ein anderer seiner Generation realisiert er das Abenteuer des Sehens in seinen Gedichten. Serup veröffentlichte bisher acht Kinderbücher und ebenso viele Lyrikbände, er debütierte als Lyriker mit dem Langgedicht ›Marken‹ (2010) und erhielt von allen Seiten höchstes Kritikerlob. Die lyrische Sprache begreift der dänische Dichter als Bewegung, als lose Form fließender Zeichen, stets auf der Suche nach dem eigenen Ursprung. Seine Sprache berührt etwas Ewiges, eigentümlich Vertrautes, aber nie ganz Fassbares. Für seine Dissertation über Relational Poetry erhielt er eine Goldmedaille der Universität Kopenhagen. Martin Glaz Serup wurde ins Schwedische, Finnische, Englische und Deutsche übersetzt. An der Universität Kopenhagen und diversen anderen dänischen Universitäten und Privatakademien unterrichtet er Kreatives Schreiben. Darüber hinaus tritt der junge Autor auch als Herausgeber verschiedener Literaturzeitschriften sowie Online Lyrikmagazine auf und betreibt einen Blog über Gegenwartslyrik.

(Stephanie Schaefers)

 

 (Foto: Thomas Traene Petersen)

 

 

Martin Glaz Serup CoverSind wir alle etwas Feld?

Mit dem schmalen Buch „Das Feld“ hat Martin Glaz Serup ein Langgedicht verfasst, das sich über 101 Seiten erstreckt. „Dies ist ein Naturgedicht, das auch von anderem handelt als der Natur“ wird in den ersten Zeilen erklärt. Somit läuft die Vermutung des Lesers, der nun lyrische Verse über Natur, Agrikultur oder Landschaft erwartet, ins Leere, denn der Text des dänischen Autors thematisiert zunächst explizit nicht die Natur. Das Feld wird auf eine abstrakte, metaphorische Ebene gehoben: „Kann es einem so gehen wie dem Feld, wie kann man sich identifizieren mit ihm, einem solchen Ort,[…] einem seltsam offenen Raum, einem Körper ohne Organe.“(S. 3) Auf den folgenden Seiten fällt dem Leser die Identifikation mit dem Feld jedoch nicht sehr schwer, schnell wird das Feld zu etwas Lebendigem, Konkretem, gar Menschlichem, insbesondere dadurch, dass das Feld zum Leser selbst spricht. Das Feld durchlebt Alltagssituationen, macht sich typische Sorgen und Gedanken wie sie Menschen einer jüngeren Generation, die multimedial und digital vernetzt sind, zu viel arbeiten und zu wenig Freizeit haben, permanent durchleben. Doch zu individuell oder zu persönlich soll das Feld in letzter Instanz nicht werden, denn „Das Feld ist Vieles“ (S. 32).

„Jetzt haben wir das Feld geharkt, so will´s der alte Brauch“ (S. 57) heißt es in einem alten Lied, das das Feld zitiert. Auch der Leser hat verschiedene Ebenen des Feldes durchleuchtet, inspiziert, seziert. Selbstreferentiell betont Glaz Serup an dieser Stelle die Möglichkeit der Dichtung: Das Feld fragt sich, „ob es nicht vielleicht ganz einfach die Erfindung des Dichters“ (S. 57) sei. Doch „das Feld ist ein starkes Feld“ (S. 71) und macht sich schnell von solch dichterischen Vorgaben - quasi im Gedicht selbst - frei. Inhaltlich und formal bricht Martin Glaz Serup hier nochmals deutlich mit Erwartungen des Lesers, die dieser eventuell an traditionelle Lyriktexte heranträgt.

Workshop mit Matthias Nawrat, dem Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises 2016

22. Januar 2016, 10.00 - 13.00 Uhr: Workshop im Wall-Saal der Stadtbibliothek mit einem Deutschkurs der E-Phase der Gesamtschule Bremen-Ost

26. Januar 2016, 11.00 Uhr: exklusive Lesung für Schüler in der ÖVB (Martinistraße 30)

 

 AF Nawrat Matthias 150Wir danken dem Autor für den intensiven Workshop, die humorvolle Lesung sowie die vielseitige und umfangreiche Diskussion mit den Schülern!

 

 

 

 

 

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, siedelte als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg um. Er studierte u.a. am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Er veröffentlichte bereits die vielbeachteten Romane „Wir zwei allein“ (2012) sowie „Unternehmer“ (2014). Matthias Nawrat lebt in Berlin.

Am 25. Januar 2016 erhält Matthias Nawrat den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2016 für sein im Rowohlt Verlag erschienenes Buch „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“. Der Förderpreis wird seit 2005 von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen finanziert. Die Jury begründet die Vergabe: „Den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis erhält Matthias Nawrat, der in seinem Roman „Die vielen Todes unseres Opas Jurek“ ein deutsch-polnisches Geschichtspanorama entwirft. Die Schrecken der Vergangenheit werden in einer leichtfüßigen, absurd-komödiantischen Erzählweise vergegenwärtigt, die alle Legenden und Lebenslügen entlarvt.“

 

nawrat matthias workshop 1Workshop mit Matthias Nawrat im Wall-Saal der Stadtbibliothek am 22.01.2016

10.00 Uhr, bei minus acht Grad und malerisch vereisten Bäumen in den Wallanlagen, sitzen die 25 Schüler des Deutsch-Kurses der E-Phase der Gesamtschule Ost ungewöhnlich eng und fröstelnd, doch sehr gut gelaunt und aufmerksam zusammen. Der heutige Workshop kann beginnen. Nachdem Dr. Stephanie Schaefers, Projektleiterin von workshop literatur bremen, die Anwesenden begrüßt, und über die Arbeit von workshop literatur bremen sowie die Bedeutung der Literarischen Woche und deren Thema ‚Jugend‘ für die Schüler berichtet hat, reicht sie das Wort an Matthias Nawrat weiter, den diesjährigen Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises. Der Autor fordert die Schüler in einer ersten Runde auf, sich mit Namen, Alter und dem zuletzt gelesenen Buch vorzustellen. Die Oberschüler geben bereitwillig Auskunft und zeigen viele Übereinstimmungen in ihrer favorisierten Literatur, die oftmals im Bereich Fantasy und Thriller angesiedelt ist. Danach diskutiert Matthias Nawrat mit den interessierten Teilnehmern über die Unterschiede zwischen Prosa und Lyrik. Einheitlicher Konsens besteht recht schnell darin, dass erzählende Texte ihre Handlungen und Charaktere allein durch den größeren Umfang eindringlicher und ausführlicher entwickeln können. Während lyrische Texte Momentaufnahmen und Emotionen besser darstellen, eine kunstvollere Sprache einsetzen und eventuell auch mehr über das schreibende Ich preisgeben.

Schreibaufgabe 1: Schreibe einen Text über dich selbst, der maximal zwölf Zeilen umfasst und in dem jedes verwendete Wort nur aus einer Silbe bestehen darf.

 

Ich bin ein Kind,

mit Traum.

Die Welt zeigt mir, wer ich sein soll,

und ich bin falsch für die Welt,

doch gut für mich.

Ich bin ich

und nicht du

nicht ihr.

Wenn nur wir!

(Gerome Garbrecht)

 

Ich bin ein Mensch,

der dies tut und das tut.

Ein Mensch, der lebt, lacht und weint.

Ich bin jung, noch nicht alt, noch nicht tot.

Ich hab noch Zeit auf der Welt.

(Anonym)

Nawrat Matthias Cover 150

Matthias Nawrat beschreibt in seinem dritten Roman „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“, in Anlehnung an die Biografie seines polnischen Großvaters, verschiedene Lebensphasen der Hauptfigur Opa Jurek und dessen Familie. Eingebettet ist deren Leben zugleich in mehrere Jahrzehnte polnischer Alltags- und Zeitgeschichte. Wie ein roter Faden ziehen sich die titelgebenden vielen Tode durch den Roman, denen Opa Jurek in verschiedenen Situationen nur knapp entgangen ist. Nachts im besetzten Warschau Ende der 1930er Jahre entkommt der Junge Jurek nur knapp einer Kontrolle durch deutsche Soldaten während der Sperrstunde. Weitaus näher kommt Opa Jurek allerdings nur kurze Zeit später dem Tode, als er ins Konzentrationslager Auschwitz interniert wird, dort Zwangsarbeit und Hunger überlebt. Über Jahre hinweg leiden er und seine Familie in der Nachkriegszeit im kriegszerstörten Opole unter Hunger und Repressionen durch das totalitäre Regime. Opa Jurek gerät trotz Parteitreue sogar Jahrzehnte später noch unverschuldet in den grauen Todestrakt des Regimes, weil falsche Querverbindungen innerhalb der Familie gezogen wurden. Auch aus dieser misslichen Lage entkommt Opa Jurek, bis ihn eines Tages der natürliche und unvermeidbare Tod ereilt.

 

Herr Nawrat, Sie haben bereits in Ihren zwei vorherigen Romanen Protagonisten gewählt, die man als Außenseiter oder Sonderlinge bezeichnen kann, Ihre Figur des Opas Jurek und seine Familie sind ähnlich anzusiedeln. Was reizt Sie an diesen Figuren?

Mich interessieren die so genannten normalen Leute, die nicht aus irgendeinem gesellschaftlichen Blickpunkt wichtig oder heldenhaft sind. Sie interessieren mich deswegen, weil jeder Mensch etwas ganz Besonderes ist und jedes Individuum einen ganz besonderen Blickwinkel besitzt. Mich reizt, im scheinbar Normalen das Besondere zu finden.

Im Feuilleton wird Ihr Roman passend dazu, mehrfach als Schelmenroman beschrieben. Wie stehen Sie zu dieser Einordnung? Wie würden Sie Ihren Text bezeichnen?

Ich würde den Roman vielleicht eher als Familienerzählung oder Kindheits-Roman bezeichnen. Schelmenroman ist insofern irreführend, als dass es kein klassischer Schelmenroman ist. Mein Roman macht Anleihen beim Schelmenroman, nutzt bestimmte Techniken, derer sich der Schelmenroman bedient. Auch in meinem Roman erzählt eine andere Person die Ereignisse. Das Geschehen wird uns nicht direkt mitgeteilt. Diese Technik bietet immer wieder die Möglichkeit, dass der Erzähler lügt, übertreibt oder Dinge in einem besseren Licht darstellt. Das sind für einen Schelmenroman typische Mittel, die von mir verwendet werden. Aber gleichzeitig ist mein Text kein reiner Schelmenroman, weil der Humor, der im Schelmenroman eine Rolle spielt, in meinem Text zugleich auch Thema ist. Mir geht es darum, dass Geschichte immer eine Erzählung ist, die wir präsentiert bekommen. Der Humor, der in meinem Roman so eine wichtige Rolle spielt, ist zugleich auch die Überlebensstrategie des Großvaters Jurek, um mit den Entwürdigungen innerhalb des totalitären Systems zurecht zu kommen. Er erzählt sich seine eigene Lebensgeschichte auch selbst, und zwar mit Humor, um sich selbst quasi wieder zum Helden seiner Geschichte zu machen.

Heike Fiedler 150Workshop mit Heike Fiedler innerhalb des internationalen Literaturfestivals poetry on the road.

29. Mai 2015, 10.00 Uhr - 13.00 Uhr: Workshop im Wall-Saal der Stadtbibliothek mit Schülerinnen und Schülern des Leistungskurs Deutsch, Q.1 des Schulzentrums am Rübekamp. 

Heike Fiedler lebt und arbeitet in Genf und ist dort als Poetin und Künstlerin im Text-, Ton- und Bildbereich tätig (Montage, Performance, Installation, Video und PJ, Interventionen im öffentlichen Raum, Konzert). Die Autorin arbeitet mit Laptop, Bleistift, Stimme, Papier, solo und in Kollektiven. Seit 2000 ist sie regelmäßig bei internationalen Festivals, Lesungen und Gruppenausstellungen zu Gast. Heike Fiedler hat bereits zahlreiche Workshops mit Schwerpunkt Schreib-, Text- und Lautimprovisation geleitet.

Vielen Dank an die experimentierfreudige Wortkünstlerin für ihren großartigen Workshop!

 Hören Sie Mitschnitte des Workshops:

auseinander einander trauen trauer
auseinander genommen
bank bÄnkin
begegnung vielfalt duo
der polizist
ein laut... den ich gehört habe
es lag da, metall auf stein
essen - nÄsse
in der stille der lärm
kleine schraube
kurze Frage halt mal an
Literarische Begegnung
magnet im strassengewirr
Müll ich hebe meinen Fuss
pourquoi gegenÜber duo
pourquoi pour nous le calme
pourquoi pour npous le calme
real tisch reality
salamander
Vielfalt der Begegnungen
wort w.o.r.t.